Kawasaki KLE 500

KLEin Erna auf Heimfahrt

Ich nehme fleißig Fahrstunden, einen Anhänger für den Motorradtransport habe ich auch schon besorgt, jetzt fehlt noch das Wichtigste: Richtig! Ein Mopped.

Für unsere Zwecke – hauptsächlich zu zweit an unseren Urlaubsorten mal dorthin zu kommen, wohin sich sonst kaum ein Tourist verirrt – benötigen wir ein Motorrad, mit dem man sich auf Straßen und Feld-/Schotterwegen gleichermaßen problemlos bewegen kann. Eine Enduro soll´s sein. Nachdem wir den Gedanken, eine 125er oder 250er anzuschaffen aufgrund der nicht ausreichenden Kradgröße schnell wieder verworfen hatten, weil wir nicht wie die Affen auf dem Schleifstein hocken wollen, fiel mir ein Motorrad ein, das ich als Kind und Jugendlicher geliebt habe und das für mich die Enduro schlechthin war. Alle, die in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen sind, wissen sicher, von welchem Motorrad ich rede: YAMAHA XT 500 – ein absolutes Männermotorrad. Suchbegriff bei mobile.de eingegeben und fast einen Schlag bekommen. Der Kultstatus dieses Beinbrecher-Kickstartermodells scheint sich bis heute gehalten zu haben. 5.000 € für ein einigermaßen fittes Motorrad, das vor 35 Jahren 5.000 DM gekostet hat, das wäre mehr als unvernünftig. Also bewegt man sich auf dem Zeitstrahl weiter nach rechts und kommt dann über die XT 600, XT 660 hin zu den Tenere-Modellen incl. der XTZ 750 Supertenere mit 69 PS. Aber auch hier zahlt man bereits ordentlich Kultzuschlag und erhält für saftige Preise zum Teil recht heruntergerittene Exemplare.

Dann geriet ich, mich am Straßenbild des nahenden Frühlings orientierend, in den BMW-Sektor (zu Beginn schaute ich nach Modellen der 90er Jahre) und erreichte schließlich aufgrund zu geringer Rahmengrößen der Schwestermodelle die F 650 GS Dakar. Zuverlässige ROTAX-Einzylinder, ABS ab 2002, das alles ließ die Preisspanne, in der ich mich bewegte, wieder gewaltig anschwellen. Die Frage meiner Gattin „Und was kostet sowas?“ musste ich dann mit „Um die 4.000,– €“ beantworten. Stille! Stille ist aber in solchen Situationen gar nicht gut! Ein entspannendes „Ach, das geht ja noch!“ hätte ich mir gewünscht, aber als ich sie einatmen hörte, wusste ich, dass ich genau das während des Ausatmens nicht zu hören bekommen würde. Stattdessen: „Warum willst Du für ein Motorrad, das wir eigentlich nur im Urlaub benutzen wollen, so viel mehr ausgeben als für das Auto, mit dem ich jeden Tag zur Arbeit fahre?“  Mist! Ich konnte die Waffen wieder senken ohne einen einzigen Hieb der Gegenwehr. Sie spielte auf Hermann, unser Alltagsauto, an, das ich vor 6 Jahren zu einem Preis von 1.500,– € gekauft hatte – und sie hat Recht.

Alles nochmal auf Anfang. Neue Suche. Mir fiel ein, dass ich mal ein älteres Motorrad, das von einem Händler angeboten wurde, bei mobile.de für Notfälle auf den Parkplatz geschoben hatte. Jetzt war Notfall! Sie war noch da, die Kawasaki KLE 500 in türkis. Mir hatte das Moped damals gefallen und daher hatte ich sie auf dem Parkplatz abgestellt. Aufgrund der Farbe und des recht hohen Preises habe ich dann aber doch noch weiter gesucht und bei Ebay-Kleinanzeigen ein rotes Exemplar gefunden, das mir aus irgendeinem Grund zusagte.

Also kuppelte ich den Hänger an unseren alten Benz, machte mich an einem Samstag auf ins Weserbergland und kam mit „KLEin Erna“ – so sollte sie fortan heißen – wieder zurück. Baujahr 1995, Zweizylinder mit 50 PS, Lenkkopflager, ÖL, Bremsbeläge vorne und Bremsflüssigkeit vor der Winterpause erneuert und dabei Vergaser gereinigt und eingestellt. Auch das Ventilspiel wurde korrigiert. Bezahlt habe ich 1.300,00 €. Ob das überteuert ist, weiß ich nicht. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es ein guter Kauf gewesen ist. Vorsorglich habe ich die in die Jahre gekommene Straßenbereifung gegen einen Satz Heidenau K60 Scout tauschen lassen und einen Satz Bremsbeläge hinten spendiert. So habe ich sie dann aus der Werkstatt abgeholt und so soll sie jetzt erst einmal laufen. Grundreinigung incl. Politur habe ich bereits durchgeführt und bei der Gelegenheit auch die Kette gereinigt und gefettet.

Nun steht sie startbereit und sauber in der Garage und wartet auf ihren ersten Einsatz. Damit es kein Platzproblem gibt, denn unser Alltagsauto, ein Mercedes T-Modell der Baureihe W 124 soll ja nach wie vor auch noch Platz in der Garage finden, stelle ich die KLE mit dem Hinterrad auf eine Rangierhilfe, die eigentlich unter den (bei meiner KLE nicht vorhandenen) Hauptständer gehört, arretiere die Hinterradbremse mit einem Pinselstiel oder lege den ersten Gang ein und kann sie dann ganz problemlos an die „Stirnwand“ der Garage schieben. Zwei Stückchen Holz unter den Seitenständer und die Maschine steht recht aufrecht und entspannt. Eine Holzlatte auf dem Garagenboden lässt den Fahrer unseres Benzes merken, bis wohin man mit dem Auto fahren kann, ohne das Motorrad zu berühren.

Ich habe noch vor, beim Ölwechsel zum Ende der Saison ein Ölablassventil zu verbauen, über das mittlerweile all unserer Fahrzeuge verfügen und im Winter meine Sitzbank aufpolstern zu lassen. Hierzu wird es dann zu gegebener Zeit ebenfalls entsprechende Beiträge geben.

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