Der zweite Bus – Die Beschaffung des Basisfahrzeugs

Wie in dem Beitrag zu unserem bisherigen Campingfahrzeug angekündigt, hier ein Beitrag, der sich zunächst mit der Beschaffung des Basisfahrzeugs befasst, das wir dann zu unserem aktuellen Urlaubsmobil umbauen ließen.

Im Frühjahr 2015 hatten wir unseren T4 zu unserem Schrauber gebracht, um ihn für die neue Saison durchsehen zu lassen. Er hatte einen Mercedes Sprinter mit Hochdach und mittlerem Radstand zu verkaufen. Wir sahen uns das Fahrzeug von innen an und waren von dem Platzangebot begeistert. Ich konnte mit meinen 1,93 m aufrecht stehen (zumindest im nackten Laderaum). Sofort schossen meiner Frau und mir die ersten Ideen im Zusammenhang mit dem Ausbau durch den Kopf. Wir verbrachten die Saison 2015 dann zwar noch komplett mit dem T4, die Planungen für seinen Nachfolger waren aber schon in vollem Gange…

Da unsere PKW aus dem Hause Mercedes-Benz stammen, sollte auch der neue Bus ein Mercedes sein. Ich schaute mich beim örtlichen Nutzfahrzeughändler nach einem Sprinter um, war angesichts der Typenvielfalt allerdings recht schnell verwirrt und beschloss, zusammen mit meinem Kumpel GOOGLE erst einmal Licht ins Dunkel zu bringen und die 208, 310, 211, 313, 315, 316, 400er-Modelle gab es auch, einige mit rotem CDI hinter der Bezeichnung, einige ohne, vernünftig zu sortieren und sie zeitlich und technisch in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen und mich über Vor-, Nachteile sowie Schwachstellen und Tücken der Modelle zu informieren.

 

Modellübersicht Sprinter

Ich wühlte mich durch die Modellübersicht bei Wikipedia, die sich als ungeheuer hilfreich erwies, und etliche Foren, bevor ich mich auf ein Modell eingeschossen hatte. Hinsichtlich Langlebigkeit und Robustheit kam man wohl an einem 312er nicht vorbei. 2,9 Liter Turbodiesel, 122 muntere PS und das ganze entweder mit einer supersoliden Wandlerautomatik oder einem 5-Gang-Schaltgetriebe – das war das Objekt der Begierde. Gleich bei meinem ersten Besuch bei mobile.de schob ich einen weißen 312, der in Süddeutschland stand, auf meinen Parkplatz. Der Erstbesitzer, der das rostfreie Auto nun für 5.000 € (Verhandlungsbasis) verkaufte, war Hundezüchter, die Ladefläche mit einem Holzboden ausgelegt und gedämmt. Für den Tiertransport waren bereits einige Campingfenster verbaut worden. Die Laufleistung betrug knapp 100.000 KM und das Fahrzeug war scheckheftgepflegt bei Mercedes. Das Auto stand beim Besitzer in einer Halle und war nur für die Fahrten zu Hundeausstellungen genutzt worden (kein Winterbetrieb). Das Inserat war kurz zuvor eingestellt worden und wenn ich (zu diesem Zeitpunkt noch recht ahnungslos) nicht gerade erst mit der Suche begonnen gehabt hätte, hätte es nur eine sinnvolle Reaktion auf diese Anzeige gegeben: Verkäufer anrufen, um Reservierung bitten und sagen: „Gekauft!“. Kurzzeitkennzeichen besorgen und auf dem Weg zum Bahnhof noch bei der Bank vorbei und ab – wohin auch immer. Als ich mich dann nach einer guten Stunde bei mobile.de entschloss, doch zum Parkplatz zurückzukehren und den Verkäufer anzurufen, teilte mir der freundliche ältere Herr mit, dass ich leider etwas zu spät sei und sich jemand aus dem Nachbarort auf den Weg gemacht habe, um sich den Wagen anzuschauen. Alles Bangen half nichts: Eine weitere Stunde später war das Inserat gelöscht.  Auf meinen weiteren monatelangen Streifzügen durchs Internet habe ich kein weiteres Exemplar in einem solchen Zustand gefunden und die verfügbaren waren für unsere Zwecke nicht kaufbar, weil grottenschlecht und zum Teil sogar Mitleid erregend. Von Transportern, die zwischen 1995 und 2000 gebaut worden sind, waren nun mal in 2015 keine ordentlichen Exemplare in ganz Deutschland mehr zu finden. Viele brauchbare Sprinter sind scheinbar nach Osteuropa verkauft worden, denn wenn man bei Youtube die Dashboard-Aufzeichnungen aus dortigen Fahrzeugen betrachtet, huschen dort zahlreiche ältere Sprintermodelle durchs Bild.

Am Ende sind wir dann jedenfalls bei einem baugleichen  VW LT2 gelandet. Ich wusste bis dato gar nicht, dass VW und Mercedes gemeinsam den Sprinter und den LT2, der bei VW dann später zum  Crafter wurde, gebaut haben. Unterschiede bestanden in der Fahrzeugfront (Kühler, Scheinwerfer) sowie im Bereich Motor und Getriebe. Bis auf die Benzinerversion wurden alle Fahrzeuge jeweils von ihrem Namensgeber mit Motoren und Getrieben ausgestattet. Unser LT28  wurde 2000 mit einem 2,5-Liter-Diesel mit 109 PS und den Kennbuchstaben ANJ ausgestattet und hatte zum Zeitpunkt des Kaufs weniger als 50.000 KM auf der Uhr. Die 2,5-Liter-Diesel kannten wir ja schon aus unserem T4, in dem ein angenehmer und zuverlässiger ACV werkelte. Unser Vorbesitzer hatte das Fahrzeug von einem Blumengeschäft in Freiburg übernommen und nutzte es nach einer Komplettlackierung in schwarz fortan als Transportmittel für seine Motocross-Maschinen.  

Im Verlauf eines der besuchten Rennen verletzte er sich und gab den Motorradsport auf. Nach einigem Hin und Her per Email und Telefon machten wir uns an einem Freitag nach Feierabend auf und fuhren mit dem Zug nach Ingolstadt. Dort holten uns die Besitzer um 23:00 Uhr ab und gemeinsam fuhren wir nach Pfaffenhofen, wo wir gegen Mitternacht  eintrafen. Bis zu diesem Moment wussten wir noch nicht, ob wir den Wagen kaufen würden und hätten uns dann am Samstag wieder mit dem Zug auf den Heimweg machen müssen. Das Geld für die Tickets und die Kurzzeitkennzeichen wäre weg gewesen. Aber sowohl die nächtliche Besichtigung im Licht einer Taschenlampe als auch die anschließende Probefahrt blieben ohne negativen Befund und so hatten wir um 01:30 Uhr den Vertrag unterschrieben und fuhren los. 

Tankstopp vor der Heimreise

Volltanken und ab auf die Autobahn. Die Heimfahrt verlief eigentlich völlig problemlos. Nach der Einfahrt in eine Baustelle, bei der einige Zubehörteile im Frachtraum durcheinander kegelten, trat ein ganz leichtes Dröhnen auf, was ich aber darauf zurückführte, dass eine der Felgen, die lose hinten im Laderaum lagen, nun bestimmt direkten Kontakt zum blanken Fahrzeugboden hatte, was das Dröhnen verursachte. Erst als ich zuhause die Felgen ausgeladen hatte und das Dröhnen noch immer da war, machte ich mich auf die Suche nach der Ursache – und wurde unter dem Fahrzeug fündig:

Kurz hinter dem Kat war der komplette Auspuff nicht mehr da, einfach abgefallen. Wir hatten es nicht bemerkt! Mein Schwager erzählte später, er habe im Radio gehört, im Bereich einer Baustelle bei Hannover liege ein Auspuff und man solle äußerst vorsichtig fahren. Zeit und Ort würden passen. Also, neuer Auspuff drunter und alles war wieder gut.

Hier geht es weiter zum Ausbau…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.