Tribünensteher und Heimlichraucher

Am 17.02.2017 haben wir das Konzert der Gruppe „AnnenMayKantereit“ in der Hamburger Sporthalle besucht. Meine Frau ist über eine Kollegin mit der Musik in Berührung gekommen, und unser Sohn ist ebenfalls Anhänger der Band. Als er für sich und seine Freundin Karten bestellte, schloss ich mich an und schenkte meiner Gattin die Karten zum Hochzeitstag.

Die Musik war toll, die Sporthalle Hamburg als Austragungsort ebenfalls genial. Ess- und Trinkbuden in ausreichender Zahl, gleiches gilt für die Toiletten. Rundum ein gelungener Abend, wenn nicht…

die Besucher gewesen wären, die sich einen Sitzplatz auf einer der Tribünen ergattert hatten, bei Konzertbeginn allerdings aufsprangen und nicht daran dachten, sich wieder hinzusetzen. Sicherlich gibt es Konzerte, bei denen man sich im Vorfeld zwischen Sitz- und Stehplatz entscheiden muss und unter Umständen dann im Sitzplatzbereich landet, weil alle Stehplatzkarten bereits vergriffen sind. Aber hier in der Sporthalle hatte man freie Platzwahl. Tanzwillige hätten also jederzeit zwischen Sitz- und Stehplatz wechseln können, um dem in ihnen aufkeimenden Bewegungsdrang nachzugeben. Sich dennoch mitten in einem bestuhlten Block zu erheben und den „Hintermann“ dann tatsächlich zu einem solchen zu machen, ist doch etwas rücksichtslos. Denn nicht jeder Hintern, der sich zu Musik bewegt, ist eine Augenweide. Mein eigener sicher auch nicht – aber deshalb bleibe ich auch sitzen!

Schlimmer noch als Tribünensteher, weil ihr Verhalten nicht nur schlimmstenfalls das ästhetische Empfinden der Mitmenschen stört, sondern genau genommen ihre Gesundheit gefährdet oder vielleicht sogar schädigt, sind die Kollegen, die trotz Rauchverbots in der Halle die Finger nicht von ihren Zigaretten lassen können. Ich habe selber geraucht. Im zarten Alter von 14 Jahren habe ich das erste Mal zur Zigarette gegriffen und erst mit 40 wieder aufgehört. 26 Jahre, zu deren Beginn das Rauchen einen anderen Stellenwert hatte. Man rauchte in Bussen, in Kinos, Kneipen, Gaststätten und sogar in Flugzeugen, ich erinnere mich an Hochzeitsfeiern, bei denen Zigaretten auf den Tischen lagen. Ich brauchte nicht mal eigene. Glücklicherweise hat sich die Diskussion um das Rauchen in den vergangenen Jahren verschärft. Dass Rauchen nicht gesund ist, war schon immer bekannt, was der passive Tabakgenuss bei Mitrauchern anrichtet, wurde einem zunehmend bewusster gemacht. Dieses Bewusstsein und die Sorgen, die ich mir um die eigene Gesundheit machte, ließen mich am 05.01.2009 die letzte Zigarette rauchen. Welch ungeheure Bereicherung! Ich entschuldige mich heute aufrichtig bei allen, die ich mit den Auswirkungen meiner Nikotinsucht belästigt und eventuell sogar geschädigt habe. Entgegen der aktuellen Rechtsprechung fängt die Körperverletzung meiner Meinung nach nicht erst an, wenn der Raucher jemandem den Rauch direkt und absichtlich ins Gesicht pustet

Geht also raus oder verzichtet!

Übrigens: Nicht mehr rauchen zu müssen ist der wahre Genuss.

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