Motorrad mit Ende 40 – muss das sein?

Die Art des Reisens haben wir für uns perfektioniert. Nähere Einzelheiten zu unserem Campingbus gibt es in mehreren Beiträgen in der Rubrik Fahrzeuge. Die Suche, Anschaffung, der Ausbau des Fahrzeugs und die Anschaffung von entsprechendem Zubehör sind  dort für Interessierte ausführlich geschildert und beschrieben.

Zu groß für die engen Gassen kleiner Bergdörfer
Campingbus

Wie auf dem Bild zu sehen, handelt es sich dabei um einen Volkswagen LT mit Hochdach und mittlerem Radstand. Eine tolle Fahrzeuggröße, um es ordentlich einzurichten und bequem darin zu wohnen. Bei Wochenendausflügen an Nord- und Ostsee hatten wir bislang immer unsere Fahrräder dabei, um die nähere Umgebung zu erkunden. In der norddeutschen Tiefebene ist es nicht wirklich das Problem , auch mal etwas ausgedehntere Radtouren zu unternehmen. Da sich unsere bevorzugten Reiseziele aber hauptsächlich in Südeuropa befinden (siehe meine Beiträge in der Rubrik Reisen), und man sich in den bergigen Gegenden  Korsikas oder Sardiniens mit dem Fahrrad etwas schwer tut, mussten Ausflüge bisher mit dem Bus unternommen werden.

An diesem Punkt nun erweist sich die bisher so vorteilhafte Größe unseres Campers als Problem. Manchen Kurztripp in kleine Städtchen oder Dörfer mussten wir schlichtweg abbrechen aus Angst , uns mit dem Bus in den engen Gassen festzufahren. Das Thema Motorroller als alternatives Fortbewegungsmittel für den Urlaubsort ist bereits vor 2 Jahren aufgekommen, aber mit meinem Führerschein der Klasse 3 war ich lediglich auf 50 ccm – Roller beschränkt. Fahrten mit dem Piaggio Sfera NSL unseres Sohnes allerdings zeigten schnell, dass wir mit 2 Personen auf einer steilen korsischen Bergstraße ähnlich gut vorankommen würden wie mit dem Fahrrad – nämlich ab einer bestimmten Steigung gar nicht mehr!

Überlegungen in Richtung hubraumgewaltigerer Fahrzeuge mit zwei Rädern scheiterten bisher allerdings an den zu erwartenden Kosten für eine erforderliche Fahrerlaubnis, die erforderliche Bekleidung/Ausrüstung, für das Krad selber und dessen Transport – und nicht zuletzt am Widerstand meiner Gattin! Ich kann ihre Zweifel nachvollziehen. Bislang habe ich mich ja auch bewusst dazu entschieden, nicht Motorrad zu fahren, weil zu gefährlich. Eine entscheidende Wendung brachte der Sommerurlaub 2016, den wir hauptsächlich auf Sardinen verbrachten (auch hierzu  gibt es selbstverständlich einen Beitrag in Reisen).  Bevor wir mit der Fähre von Nizza nach Olbia fuhren, verbrachten wir zunächst 3 Tage auf einem wunderschönen Campingplatz namens  Domain de la Bergerie im ebenfalls wunderschönen Ort Vence in den Bergen in der Nähe von Nizza, den wir schon von vergangenen Reisen her kannten.

Domain de la Bergerie in Vence

Einen dieser wunderbar erholsamen Tage wollten wir am Strand verbringen und so machten wir uns gegen Mittag mit unserem Bus auf den gut 10 Kilometer langen Weg. Dass Wohnmobile größerer Bauart an den Stränden der Cote d´Azur nicht gern gesehen sind, haben wir schon bei unserem letzten Aufenthalt in 2012 bemerkt, als immer wieder Polizei auftauchte und versuchte, die Halter dieser Mobile zu vertreiben.

 

Cagnes Sur Mer

Als wir nun den Strand entlang fuhren, um an unserer bevorzugten Stelle der Küstenstraße zu parken und uns ans Wasser zu legen, freuten wir uns über die Leere, die hier Ende Juni noch herrschte. Freie Parkplätze ohne Ende und soweit das Auge reichte. Angekommen, ausgestiegen und schon fiel mir quasi ein Schild ins Auge, das besagte, dass es Fahrzeugen ab einer gewissen Höhe, Länge und Breite bei Strafe verboten ist, hier an der Küstenstraße zu parken. Natürlich war von Wohnmobilen hier nicht explizit die Rede, aber die angegebenen Fahrzeugmaße ließen keinen Zweifel daran, auf welche Fahrzeuge man es hier abgesehen hatte. Kurzum: Wir gehörten zur Zielgruppe! Zugegeben, eine Zeit lang war die Versuchung groß, diese Verbotsschilder zu ignorieren und einfach zu bleiben. Da man die Bußgelder unserer südeuropäischen Nachbarn durchweg als unverschämt hoch ansehen kann und wir keine Ahnung hatten, wieviel man uns denn nun bei Zuwiderhandlung berechnen würde, entschieden wir uns, irgendwo anders in fußläufiger Nähe zum Strand einen Parkplatz zu suchen. Nachdem wir rund 45 Minuten auf der am Ende erfolglosen Suche nach einer Parkmöglichkeit für unseren Camper gewesen waren, sahen wir uns durch steigende Innenraumtemperaturen und sinkende Stimmung gezwungen, den Rückzug anzutreten und den Nachmittag am Pool unseres Campingplatzes zu verbringen, nachdem wir einige letzte wehmütige Blicke auf den nahezu menschenleeren Strand und das herrlich blaue Wasser geworfen hatten.

Der Pool
Menschenleerer Strand

 

 

 

 

 

Für dieses Problem gab  es nur eine Lösung und sie trug den Namen MOTORRAD. Zu diesem Zeitpunkt traute ich mich allerdings noch nicht, meine Frau direkt darauf anzusprechen. Zunächst beschränkte ich mich darauf, diese traurige Situation, in der wir uns befanden, weil wir diese wunderschöne Küste unbebadet wieder verlassen mussten, ausgiebig zu bejammern.

Auf Sardinien hatten wir dann auf allen besuchten Campingplätzen Nachbarn, die Motorräder oder -roller an, auf oder hinter dem Mobil mitführten und damit spontane Ausflüge in die jeweilige Region machten. Ich wurde mutiger meiner Frau gegenüber. Mit den Kosten für einen Führerschein hatte ich mich mittlerweile abgefunden und ging nun offen und zielgerichtet zum Angriff über – äußerst behutsam natürlich und scheinbar unbeabsichtigt. Ich schwärmte von einem Roller mit 125 oder 250 ccm und war zunächst auch überzeugt davon, dass das eine gute Lösung sei. Auf einem Campingplatz an der Westküste kam ich dann ins Gespräch mit einem Nachbarn, der eine Enduro auf einem Heckträger mitführte – und das natürlich so, dass meine Frau das Gespräch zufällig mitbekam. Ich erzählte ihm, dass wir darüber nachdachten, uns einen Roller anzuschaffen und fragte ihn nach seinen Erfahrungen mit Zweirädern. Aus seiner 30-jährigen Erfahrung als Motorradfahrer heraus riet er ganz klar von einem Roller ab und pries die Wendigkeit und die Geländetauglichkeit einer Enduro an. Wie herrlich man mit diesem Gefährt über schlechte und unbefestigte Wege an einsame Badebuchten und Strände gelangen konnte, schaffte mir Klarheit darüber, wie es weitergehen sollte und half mir, die letzten Mauern des Widerstandes, die meine Frau umgaben,  einzureißen. Eine letzte Bestätigung erhielt ich  – wieder zuhause angekommen – von meinem Friseur und seiner Frau, beide seit vielen Jahren Endurofahrer und bekennende Rollerhasser.

Danke, Steffi und Hendrik! Und vor allem Dir, liebste Ellen, vielen Dank für Dein Vertrauen, Dein weiches Herz und letztlich für Deine Einwilligung!

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